Kleine Episode aus dem dm-Markt

Heute wurde ich im dm-Markt Zeugin eines Gesprächs zwischen der Verkäuferin und einer älteren, äußerst übellaunigen Kundin:

“Ich brauche Nudeln. Aber man muss sie mit Soße essen können.” Verkäuferin (zeigt ihr ein Paket Bandnudeln): “Da haben wir diese hier.” Kundin: “Nein, natürlich ohne Ei!”

Verkäuferin (greift zu einer anderen Packung): “Wie wäre es mit den italienischen Bandnudeln? Die sind ohne Eier.” Kundin (lauernd): “Aus was sind die denn? Sind die auch tatsächlich ohne Ei?” — “Ja, die sind aus Hartweizengrieß und garantiert ohne Ei.” Kundin (immer noch lauernd): “Wie teuer sind die denn?”

“Die kosten 95 Cent.” Kundin: “Aha” (und auf eine neue Gelegenheit zum Meckern hoffend) “Was haben Sie denn an Olivenöl da?” — “Hier haben wir dieses Olivenöl…”. Kundin (nimmt ihr die Flasche aus der Hand): “Lassen Sie mich mal sehen … woher stammt das denn?”

Verkäuferin (bemüht, da ihr das Verkaufsgespräch sichtlich unangenehmer wird, aber noch gelassen): “Da muss ich selber mal nachschauen. Momeeent… es kommt aus Tunesien.” “Tunesien? Nein! (Anm. d. Red.: Diesen Teil habe ich leider nicht genau gehört, sie hat aber definitv noch was Unqualifiziertes und Herablassendes gesagt.) Dann will ich das nicht.”

Verkäuferin: “Wir hätten hier aber auch noch ein anderes. Auch ein kaltgepresstes Öl. Erste Pressung.” — “Und wo kommt das her?” — “Aus Bulgarien.” — “Was? Das kaufe ich nicht! Wer weiß, was da alles an Rückständen drin ist. Dort vom Ostblock da hört man ja immer so viel, was die dort alles machen. Nein, das nehm ich nicht.”

Kundin stapft gen Kasse, Verkäuferin widmet sich augenrollend, aber sichtlich erleichtert einer anderen Kundin.

An der Kasse tut die Dame lautstark und in arroganter Weise ihre Meinung über Ausländer im Allgemeinen, die Schweinegrippe und weitere Negativkritik einer Kundin mit einer etwa vierjährigen Tochter kund, während die arme Frau (wie ich später merke, hat sie einen südeuropäischen Akzent) nicht genau weiß, wie sie mit dem hässlichen Gerede umgehen soll. Ebenso wenig die Filialleiterin, die kassiert und sichtbar überlegt, ob sie die lästernde Alte in ihre Schranken verweisen soll.

Als ich mich hinter den beiden anstelle und meine Waren aufs Band lege, fängt meine Maus laut an zu weinen, weil ich ihr die Packung Müllbeutel, mit denen sie die ganze Zeit über im Wagen gespielt hat, gerade weggenommen habe, damit diese abgezogen werden können. Netterweise lässt uns die Kundin mit Kind vor (auf ihre Tochter schielend: “Ich weiß ja wie das ist…”), sie sieht, dass die Maus gerade sehr unleidlich und durch nichts zu beruhigen ist. Wahrscheinlich will sie auch den größtmöglichen Abstand zwischen sich und die Alte bringen.

Das empörte Vor-sich-hin-Gegrantel der Seniorin (” … blabla … dieses Gekreische … bla … schlafen legen … bla … “) überhöre ich noch gekonnt. Das an meine Adresse gerichtete “Sollte-das-Kind-Nachmittags-nicht-Schlafen?” kann ich indes nicht mehr überhören. Irgendwann ist genug. “Ich denke, es geht Sie gar nichts an, wann mein Kind schläft!” — “Das geht mich sehr wohl was an! Schließlich zahle ich das hier mit … bla …”. Die Alte ist nicht mundtot zu kriegen.

Ich zahle kopfschüttelnd meine Waren und ernte von den direkt Umstehenden wissende Blicke voll von Mitgefühl. Vielleicht schwingt auch etwas Dankbarkeit mit (oder war es Entschädigung für erlittene (Ohren-)Qualen?), als die Filialleiterin mir (und nur mir) eine kleine Cremedose schenkt.

This entry was posted on Montag, Juli 27th, 2009 at 18:04 and is filed under Carolin, Freiburg. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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